Das
astronomische Geheimnis in Grünewalds Altarwerk als Signatur unserer
Kulturepoche
»Jeder findet in jedem Kunstwerk
immer nur das, wozu sich seine Seele vorbereitet hat. Darin liegt die
Kraft und die Unerschöpflichkeit des Kunstwerkes. Es ist auch
nicht nötig, dass das Empfinden des Beschauers und der schöpferische
Trieb des Künstlers sich decken, eben weil der Künstler aus
der Intuition schafft und deswegen mehr sagt, als er zu sagen dachte.
Darin liegt gerade das Mysterium des Schaffens.« ALEXEJ
JAWLENSKY
Auf dem Auferstehungsbild des Isenheimer Altars lässt Matthias
Grünewald den Heiland vor einem sternklaren Nachthimmel aufsteigen.
Was spricht daraus? Soll das heißen, dass dieses Geschehen schlechthin
in der Nacht stattfand? Dann könnten die gemalten Sterne frei nach
künstlerischem Ermessen auf dem dunklen Grund verteilt sein. Oder
stellte der Maler hier mit diesem Himmelsauschnitt eine konkrete Himmelssituation
dar und gab damit einen bestimmten Zeitpunkt über einem bestimmten
Erdenort an? Ständig umkreist der Sternenhimmel die Erde. Stunde
um Stunde stehen andere Sterne über uns, die zu gleicher Zeit über
einem anderen Erdenort in anderem Blickwinkel, in anderer Höhe zu
sehen oder dem Blick entschwunden sind.
Ausführliche Betrachtungen und Untersuchungen ließen vermuten, dass
Grünewald den Auferstehenden vor dem – heute noch aktuellen – Osterhimmel
darstellte. Um diese Vermutung zu prüfen, wurde eine transparente Sternkarte
auf das Gemälde gelegt. Ausgangpunkt waren dabei das entdeckte Sternbild
Kassiopeia und der Sternenkreis über seiner linken Hand, der dem zweiten
Fisch des Fische-Sternbildes entspricht. Die anderen Sternbilder auf der transparenten
Sternkarte fügen sich erstaunlich harmonisch in die Komposition des Auferstehungsbildes
ein. So stand am Ostermorgen hinter dem Auferstehungsbild – unsichtbar,
weil von der Sonne überstrahlt – der Sternenhimmel, wie ihn Grünewald
in eine reale kosmisch-irdische Situation hinein malte. Eine besondere Bedeutung
kommt dabei dem Sternbild der Fische zu, das auch auf anderen Tafeln des Flügelaltars
in der Darstellung verborgen zu entdecken ist. Darin liegt eine zukunftsweisende
Botschaft des Künstlers: Ist doch das Fische-Zeichen die Signatur unseres
Zeitalters, unserer Kulturepoche – das Zeichen unserer Zeit.
Inhalt
Einleitung
Der Sternenhimmel auf dem Auferstehungsbild
Die Altarbildtafeln
Die Kreuzigung
Die zwei Seitentafeln
Die Verkündigung
Das Engelkonzert
Die Geburt Christi
Die Auferstehung
Die Antoniusbilder
Die Versuchung des Antonius
Der geöffnete Himmel
Der Sternenhimmel
Die Präzession
Sternenhimmel und Menschengeschichte
Methodisches
Die Sternbilder des Fische-Hauses
Das Sternbild Fische
Das Sternbild Phönix
Der Charakter des Fische-Hauses
Die Sternbilder des Fische-Hauses und die fünfte
nachatlantische Kulturepoche
Das Meeresungeheuer Ketos
Das Mysterium am Himmel
Christussymbole
Der Widder
Die Fische
Das Zeichen des Propheten Jona
Zeichen der Zeiten
Bewegungsspur der Jona-Geschichte
Der Sternenhimmel auf dem Auferstehungsbild des
Isenheimer Altars
Der kleine Sternenhaufen
Der verworfene Entwurf
Matthias Grünewalds Sternenbotschaft
Das Fischezeichen in der »Versuchung
des heiligen Antonius«
Das Fischezeichen im »Geburtsbild«
Das Fischezeichen auf dem Bild der Kreuzigung
Das Kassiopeia-Zeichen
Die Verkündigung
Das Engelkonzert
Antonius und Paulus
Die Kreuzigung
Die Auferstehung
Ausklang
Anhang
Der Sternenhimmel und die früheren Kulturepochen
Das Haus der Zwillinge
Die urpersische Kulturepoche
Die dritten nachatlantischen Kulturepochen
Das Haus des Stieres
Das Haus des Widders
Die vierte nachatlantische Kulturepoche
Das Buch Jona
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