Vision
und Illusion einer Generation
Es ist noch nicht lange her, dass das Credo der Anleger und Börsenmakler
lautete: Beständiges und inflationsfreies Wirtschaftswachstum ist
durch die New Economy möglich, und auf den konjunkturellen Aufschwung
muss nicht mehr notwendigerweise eine Abkühlung folgen.
Die Neue Wirtschaft glaubte, alle Wirtschaftsgesetze außer Kraft
gesetzt zu haben – sie ist zugleich aber auch Synonym für neue
Technologien und spektakuläre Unternehmensgründungen. Als direkt
Beteiligter schildert der Autor den typischen Aufstieg und Fall eines
Unternehmens aus dem Umfeld der New Economy. Mit 50 Millionen Euro Kapital,
240 Mitarbeitern und dem festen Glauben an die neuen Technologien entstand
eines der aufregendsten Unternehmen der neuen Epoche. Mit einem innovativen
Produkt und den Top-Adressen der Wall Street als Kunden schien der Erfolg
vorprogrammiert.
Doch eine Menge Kapital, ein gutes Produkt und eine Handvoll erstklassiger
Kunden sind noch kein Garant fürs Überleben.
Das Buch blickt beispielhaft hinter die Kulissen der Startup-Kultur und
macht durch seine detaillierten persönlichen Schilderungen das Phänomen
New Economy verständlich. Es ist ein »Abenteuerbericht«
über den Kampf neuer Technologien um neue Märkte, junger Unternehmen
um Kapital und einer neuen Unternehmergeneration um Anerkennung. Der Leser
erlebt, wie im Sog des Börsenbooms eine neue Industrie entsteht und
wie diese den Boom an den Börsen weiter anheizt. Und mit der Zeit
wird das System derart ausgehöhlt, dass es schließlich, ohne
sichtbaren Anlass, in sich zusammenstürzt.
Buchtipp im ZDF – Redaktion Geld &
Verbraucher
Spannender Erlebnisbericht über den Aufstieg
und Fall der New Economy
Es ging so schnell, wie alles in der New
Economy. Eigentlich suchte Tourist Bernwart Engelen nur einen Job, um
sich sein Rückflugticket von New York nach Deutschland zu verdienen.
Was der junge, neugierige Volkswirt fand, war eine Position als Assistent
der Geschäftsleitung in einem Unternehmen der Computerbranche.
Damit begann sein zweijähriger Höhenflug im Reich der New Economy
– der wie so viele andere dieser rasanten Flüge mit einer Bruchlandung
endete. In einem biografischen Erlebnisbericht erzählt Engelen amüsant
und temporeich, wie Ideen, Träume von den unbegrenzten Möglichkeiten
des Internets, unkonventionelle Geschäftsabschlüsse und die
Hoffnung, bei etwas ganz Großem dabei sein zu können, treibende
Kräften für einen neuen Wirtschaftsboom waren.
Unternehmen wird Lebensinhalt
Ob 14 oder 16 Stunden Arbeit am Tag, ob Flüge
von Los Angeles nach New York und zurück – oder morgens Frankfurt,
mittags Hamburg und abends noch London – alles kein Problem. Das
Unternehmen wird für Bernwart Engelen wie für seine anderen
jungen Kollegen zum Lebensinhalt. Privatleben gibt es nicht. Das Internet
mobil machen, lautet die Zauberformel des Unternehmens, das Bernwart bald
als Business Development Manager vor potenziellen Geldgebern vertritt.
Mit dem Handy jederzeit Aktienkurse abrufen oder mit dem Laptop Dienste
aus dem Netz nutzen – die Idee findet rasch Abnehmer: Venture-Capitalists.
So erfährt der Leser, wie diese Herren ihre Geschäfte in den
Hinterzimmern von Banken und Firmen abschließen, wie ein Unternehmen,
das eben noch wenige tausend Dollar wert war, plötzlich mit 20 Millionen
bewertet wird. Und dann finanzieren dies zwei Geldgeber, die scheinbar
kaum das Taxi bezahlen können.
Als Engelen in Deutschland eine Filiale für das mobile Internetsystem
aufbauen will, stößt er jedoch an Grenzen. Dort ist nicht jeder
sofort von der Idee elektrisiert. Dort ticken die Uhren der Geschäftswelt
noch nach den Regeln der Old Economy, die eher nach Absatzmärkten
und Kunden schielt, die sich das Produkt auch leisten können.
Fazit: kurzweiliger Einblick
Das Buch ist keine Abrechnung mit der New
Economy, sondern ein kurzweiliger Einblick in die Welt ihrer Träume
und Ideen. Engelen zieht den Leser in seinen Bann, lässt ihn teilhaben
an der Begeisterung der jungen Macher, die auf Spaß und das große
Geld hoffen, aber von ihrem Tun so begeistert sind, dass sie viele Warnzeichen
ignorierten. Er lässt erahnen, warum sie nur so und nicht anders
handeln konnten – und deshalb alles verloren.
Ein Buch über die Wirtschaft, aber kein Wirtschaftsbuch. Ein Muss
für alle diejenigen, die endlich mal verstehen wollen, wie die New
Economy funktioniert, warum sie trotz guter Ideen und modernster Technik
in die Krise geriet und was in aller Welt »Venture Capital«
ist.
Autor
Mit seinem Erstlingswerk macht Bernwart A.
Engelen Lust auf mehr. Dass sich der Volkswirt und Unternehmensberater
bisher eher um Zahlen als um Buchstaben gekümmert hat, ist der lebendigen
Sprache nicht anzumerken. Im Gegenteil. Und das bisherige Leben des Kulturinteressierten
böte genügend Stoff für weitere Bücher: Der 33-Jährige
baute nach dem Studium in der Ukraine eine Fabrik für Babynahrung
auf.
ZDF – GELD & VERBRAUCHER
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