»Wer
nicht an Wunder glaubt, der ist kein Realist.« BEN
GURION
Dieses Buch handelt vom therapeutischen Dialog zwischen dem Leidenden
und seinem Therapeuten, vom therapeutischen Prozess mit der Wandlung krankhafter
Strukturen, und es handelt von der Heilkraft der Kunst, wie sie in der
therapeutischen Wirksamkeit sinnlicher Medien (Musik, Farbe, Form, Bewegung
usw.) hervortritt: »Sinnenfreude kann gesund machen.« Die
hier vorgelegten Gedanken sind ein Ansatz für eine allgemeine Therapiekunde
unter anthropologischem Aspekt.
Mit dem Therapeuten als Künstler soll eine lange in Vergessenheit
geratene Wahrheit ins Bewusstsein gerufen werden: Therapie ist, bei allem
technischen Können, keine im üblichen Sinn wissenschaftlich
begründbare Technologie, noch weniger ist sie herstellbare und abrufbare
Medizintechnik, sondern Therapie ist eine aus der Intuition des Hier und
Jetzt geschenkte Gabe.
Der Autor beschreibt ein übergreifendes Konzept für die heute
praktizierten kunsttherapeutischen Verfahren und Psychotherapien auf der
Basis seiner jahrzehntelangen Erfahrungen mit verschiedenen Ansätzen.
Der Grundgedanke lautet: Die Selbstheilungskräfte anregen –
Salutogenese ermöglichen. Das ganzheitliche Konzept ist dabei definiert
durch den therapeutischen Dialog, den selbstregulierenden therapeutischen
Prozess und die Intensivierung der Sinneserfahrung.
Das jetzt in einer überarbeiteten und um drei Kapitel erweiterte
Neuauflage vorliegende Buch ist für alle Therapeuten, Ärzte,
Pflegenden und Studierenden geschrieben worden, denen an einer grundlegenden
Besinnung auf ihre alltägliche Berufsarbeit gelegen ist – darüber
hinaus kann es für Patienten ein Gewinn sein.
Seit dem Erscheinen der ersten Auflage haben sich Künstlerische Therapien
gegen alle Widerstände auch in den deutschsprachigen Ländern
in erfreulicher Weise weiterentwickelt.
Diese Entwicklung scheint auch quantitativer Natur zu sein: Es bildeten
sich mehr und mehr Ausbildungsinstitute, die auch ihre speziellen Methoden
und Techniken darstellten, so dass ein abschließender detaillierter
Überblick (mit Anschriften, Studienzeiten, Abschlüsse etc.)
über Ausbildungsstätten und -möglichkeiten in Deutschland,
den Niederlanden, Österreich und der Schweiz ebenso neu aufgenommen
wurde wie die Kapitel über Ausbildung, Forschung und eines über
die Heilkraft der Sprache.
Inhalt
Erster Teil
Der Therapeut und sein Patient
Strukturen der therapeutischen Beziehung und Ethos des Therapeuten
Übertragen und Begegnen im therapeutischen Dialog
Warum und für Wen? • Therapie
– Akt des Dienens • Übertragen: die gefesselte Beziehung
• Begegnen: die offene Beziehung • Epilog: Tiefenpsychologie
und der Prozess der Begegnung
Der Therapeut als Begegnender
Therapeut und Patient: Diener und Leiderfahrender
• Begegnen • Wandlung im Elend
Gefährte meines Leidens
Was heißt Gefährte, und was heißt
Leiden? • Gefährte verdrängten Leidens • Gefährte
umkämpfter Bewusstheit • Leiden wird Gestalt zwischen Dir und
Mir
Strukturen therapeutischen Handelns, Manipulation und therapeutischer
Dialog
Der Manipulator in mir • Der häßliche
Mensch – mein Leiden als Begleiter • Beziehen und Begegnen
• Wandlung – ein Geschenk • Pfauenschlag und Salz der
Erde – Isolation und Integral
Zweiter Teil
Der therapeutische Prozess
Phasen der Wandlung und Strukturen integraler Therapie
Aspekte integraler Therapie
Wie gliedern sich verschiedene Therapiemethoden
in das Konzept von integraler Therapie? • Welche Regelmäßigkeiten
im Verlauf von Therapien lassen sich bei verschiedenen Therapiemethoden
beobachten?
Zwei integrale Therapiebegriffe, dargestellt an der Therapie eines psychosomatisch
Kranken
Eine Therapiegeschichte des Wandels von Schmerzhaftigkeit
und Aggressivität
Politik des runden Tisches und Grundstrukturen integraler Therapie
Politische Herausforderung • Streit
und Frieden zwischen therapeutischen Weltanschauungen – von der
Polemik zur Synopsis • Sechs Aspekte eines integralen Konzeptes
von Therapie und ihre Fehlbildungen • Zusammenfassung
Dritter Teil
Heilkraft der Kunst
Sinnliches Wahrnehmen und Leiblichkeit – Gebiete der Therapie
Kunst und Therapie – Ansätze und Notwendigkeit
Warum kann Therapie nicht nur bei der medizinischen
Wissenschaft angesiedelt bleiben? • Wieso ist Kunst notwendig für
Therapie – warum kann Therapie nicht auch ohne Kunst existieren?
Der Therapeut als Künstler
Könner seines Handwerks • Wissender
um das Kranksein • Gefährte meines Leidens • Mittler
der Heilung • Gestalter von Gemeinschaft
Eros und Sprache – zur Bedeutung zärtlicher Worte in der Therapie
Abwehr und Schutz • Tasten und Lächeln
• Verzicht und machtvolles Ereignis in der Begegnung • Zärtliche
Worte sind Brückenbauer
Meine Erfahrungen mit Leib- und Bewegungstherapie in der Psychosomatik
Eingliederung: Jede bewegungstherapeutische
Schule ist wesentlich • Die eigene Befindlichkeit erspüren
• Einen Körper haben, aber meine Bewegung sein • Neurotische
Strukturen verhindern die Verleiblichung • Kräfte intensivieren
und differenzierte Bewegungsstrukturen verleiblichen • Rhythmus
und Herzmitte • Integrale Therapie und Kunst
Dieser kleine Funken Hoffnung
Verdichteten Sprache als Konzentrat einer
Psychotherapie • Gedichte Jeanne Rosenhags aus der Psychotherapie
sexueller Gewalt • Intensiviertes, perspektivefreies Wahrnehmen
• Einige Aspekte der verdichteten Sprache
Ausbildung für Künstlerische Therapeuten
Wofür bildet sich der Künstlerische
Therapeut aus? • Einige allgemeine Aspekte der Ausbildung •
Ausbildungsstätten • Hinweise zur Qualität der Ausbildungsstätten
Forschung Künstlerischer Therapeuten
Auftrag und Wirklichkeit insbesondere im
Hinblick auf Menschenbild, Wissenschaftsbegriff und qualitative Forschung
• Paracelsus, ein evolutionärer Vorläufer künstlerisch-therapeutischen
Forschens • Kunsttherapeutische Forschung ist grundsätzlich
action research • Wissenschaftsbegriff, Menschenbild und Ziele Künstlerischer
Therapien können die Heilkunde evolutionieren
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